Clara Louise

 Clara Louise

23.
Mai
2016
- GEDANKEN - geboren
von clara louise

 

baeume

Ich nehme meinen Stift und schreibe auf, was ich mir gerade denke. Ich habe Angst zu vergessen, dass ich einmal so gefühlt habe, wie jetzt. Nicht, weil es besonders schön ist, nein, sondern damit ich weiß, dass es auch Zeiten gab, an denen ich verloren war und ich an dem Tag, an dem ich mich wieder finde, dies auch zu schätzen weiß.

Ich glaube, wir werden geboren und werden in Windeseile zu einer individuellen Seele, die wie ein weißes Blatt Papier darauf wartet, mit Geschichten gefüllt zu werden. Auf unserem Weg erleben wir und erzählen unserer Seele davon, tragen Erinnerungen wie kitschige Aufkleber mit uns herum, bis sie irgendwann ihre Haftung verlieren und nicht mehr halten. Dann beginnen wir zu sehen, zu erkennen, was um uns herum passiert und versuchen uns anzupassen. Das ist der Moment, der sich für immer auf unser Leben auswirkt. Wenn wir nur damals gewusst hätten, dass es keinen Sinn ergibt, zu versuchen so zu sein, wie man nicht ist. Was hätten wir uns vielleicht alles erspart und wo wären wir heute?

Ich nehme mein Blatt Papier, lege den Stift zur Seite, gehe zum fast erloschenen Feuer und werfe meine Notizen in die übrig gebliebenen Flammen um zu vergessen, dass ich heute weiß, dass es gestern gab und mein Morgen veränderte. 


 

19.
mai
2016
- GEDANKEN - vertrauen
von clara louise

 

vertrauen

Und dann steht da diese Frage im Raum, wie sehr ich mir in Wahrheit selbst vertraue. Umringt von all den Köpfen, die gerade in einer anderen Laufbahn schweben und die Worte in meinen Gedanken verdrehen. Wo ist mein Ursprung, was ist meine Vision und in wie weit kann ich so leben, dass ich ohne Kompromisse mir selbst gehöre. 

Ich höre ihre Schritte in meinem Treppenhaus, wie sie immer schneller und fester werden und frage mich, wann sie endlich ankommen, um mich zu beeinflussen. In dieser Zeit stehe ich an der Tür und warte, in der Hoffnung, dass ich in meinem eigenen Spiegelbild die Lösung finde. 

Gestern erst war ich mir sicher, dass mein Boot die andere Seite des Sees auch ohne Wind erreichen wird. Schließlich ist der Kapitän kein geringerer als mein eigener Verstand. Doch was ist ein Verstand schon wert, wenn er nicht mehr von einer Hülle geschützt wird, sondern der endlosen Tiefe des Gewässers hilflos ausgeliefert ist. 


 

12.
mai
2016
- GEDANKEN - im nebel
von clara louise

 

imnebel

Im Nebel der fliederfarbenen Lichtpunkte falle ich ein wenig weicher durch die Dornenbüsche des vergessenen Gartens. Ich liege auf dem blühenden Boden aus Wildblumen, schaue in den Himmel und frage mich, ob der Wind sich morgen auf meiner ausgelaugten Haut anders anfühlen wird und ob der Regen, auf den ich nun seit Ewigkeiten warte, den Schmutz des letzten Sandsturmes endlich endgültig wegspülen wird. 


 

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